Fußball-WM und Nationalismus

Am 11.6.2010 beginnt die diesjährige Fußballweltmeisterschaft in Südafrika. In Deutschland und anderen Staaten führt diese sportliche Großveranstaltung zu einer offenen zur Schaustellung des Nationalgefühls und vermittelt, dass es vollkommen legitim ist, stolz auf die eigene Nation zu sein.
Die vergangen Fußballweltmeisterschaften haben gezeigt, dass während der WM Deutschland exzessiv gefeiert wird, ohne die Auswirkungen und Folgen von Nationalstaaten, Nationalimus und Patriotismus zu reflektieren. Gefördert wird hierbei der in unserer Gesellschaft vorherrschende kapitalistische Konkurrenzgedanke, der Menschen – in diesem Fall Menschen anderer Nationen – über eine Mannschaft gegeneinander antreten lässt um darum wettzueifern, welche Nation die bessere ist.

Zudem bereitet sich die Wirtschaft bei jeder WM auf eine Gewinnsteigerung durch die Vermarktung des Ereignisses vor und stimmt die Bürger_innen schon vor dem eigentlichen Beginn auf die Feier der Nation ein. Von Plakatwerbungen über billige Deutschlandfahnenangebote in Supermärkten bis hin zu Aktionen wie „wenn Deutschland Weltmeister wird, gibt’s den gekauften Fernseher umsonst“ wird schon alles getan, um die Konsument_innen zum Kauf zu bringen und sich dem „verpflichtenden“ Nationalgefühl anzuschließen.

Nationalismus über Fußball zu vermitteln hat zur Folge, dass kaum ein Mensch reflektiert, was Nationen, Nationalismus und Patriotismus zur Folge haben. Denn wenn mensch Fußball sieht, denkt er nicht an Menschen, die in Abschiebeknästen sitzen oder von deutschen Soldat_innen in Afghanistan umgebracht werden. Aber genau diese Kritik muss im Mittelpunkt stehen, wenn überall Nationalflaggen wehen. Es muss einen kritischen Umgang mit Nationen, Nationalismus und Patriotismus im Allgemeinen geben. Dazu
möchten wir anregen!

Ganz konkrete Folgen von Nationalstaaten sind beispielsweise Kriege im Sinne von nationalen Interessen. So ein Krieg ist der Einsatz der Bundewehr in Afghanistan und ob es dabei nun um die Sicherheit der
deutschen „Staatsbürger_innen“ geht oder um die wirtschaftlichen Interessen der Nation Deutschland spielt hierbei keine Rolle. Doch genau solche Begründungen wie: wirtschaftliche Interessen, Schutz der eigenen Bürger_innen etc. stellen eindeutig nationale Interessen dar.

Dass der deutsche Wohlstand gesichert wird, indem alle Menschen, welche nicht die deutsche Staatsangehörigkeit besitzten abgeschoben werden, liegt ebenso im nationalen Interesse. Den nationalen Interessen werden in diesen Fällen Menschenleben untergeordnet, welche scheinbar weniger wert
sind.

Die Wohlstandsunterschiede zwischen den Staaten, die aus nationalen Interessen in den Zeiten des Kolonialismus geschaffen wurden, gelten heute immer noch. Die südliche Hemisphäre muss mit Armut kämpfen, während der wohlhabendere Norden all seine Entwicklung den Rohstoffen und Sklav_innen
des Südens verdankt. Dass die ehemaligen Kolonien der Europäer_innen heute mit Hungersnöten, Krankenheiten und Analphabetismus zu kämpfen haben, stört die ehemaligen Kolonialist_innen nicht. Diese predigen eine kapitalistische Wirtschaftsweise, welche lediglich dazu beiträgt, dass diese sowieso schon ausgebeuteten Länder noch weiter ausgebeutet werden können. Auch hierbei wird keinerlei Rücksicht auf Menschenleben genommen, anstelle dessen steht wieder das nationale Interesse im Vordergrund.

Aufgrund dieser Tatsachen möchten wir einen kritischen Umgang mit Nationen,Nationalismus und Patriotismus fördern. Hierzu rufen wir zu einer antinationalen Aktionswoche „Nationen wegkicken – Für eine Welt ohne Grenzen, Diskriminierung und Nationalstolz“ vom 19.6-26.6 auf.